Kaum ein anderer Bereich der Unterhaltungselektronik entwickelt sich so rasant wie die Bildschirmtechnologie. Das Zeitalter der Röhrenfernseher ist noch nicht richtig vorbei, Plasma- und LCD-Fernseher haben ihren Siegeszug gerade erst begonnen, da formieren sich bereits die Verfolger. Für den Verbraucher wird es in den kommenden Jahren nur noch verwirrender.An vorderster Front der Verfolger stehen die so genannte SED-Technik (Surface-conduction Electron-Emitter Display) und die OLED-Technologie (Organic-Light-Emission-Diode). Beide haben einen Vorteil gegenüber heutigen LCD-Fernseher – sie brauchen keine stromfressende Hintergrundbeleuchtung.SED-Fernseher wollen Canon und Toshiba noch dieses Jahr verkaufen. Hier verhält sich im Prinzip jeder einzelne Leuchtpunkt des Schirms wie eine winzige Fernsehröhre. Sie strahlt also Elektronen auf eine Phosphorschicht und liefert so das bekannt brillante und farbtreue Bild, wie wir es von der traditionellen Röhre kennen.
Und hier, sagen Techniker, liegt auch noch das Problem in der Massenfertigung: Eine extrem genaue Fertigung und Ansteuerung der Bildpunkte muss sicherstellen, dass der gesamte Schirm gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Dunklere Ecken auf dem Fernseher würden die Kunden nicht akzeptieren. Seit neun Jahren versuchen Ingenieure weltweit, das Problem in den Griff zu bekommen.
Auf die OLED-Technik setzen Riesen wie Sony oder Samsung, die bereits OLED-Schirme in Mobiltelefone einbauen. Fernseher im Kinoformat gibt es aber noch nicht. Der Grund: Die Haltbarkeit der Technik liegt noch weit unter den im Schnitt 30 000 Stunden, die Fernseher heute schon bieten müssen.Spätestens 2007 will der Druckerhersteller Epson, mit „gedruckten“ OLED-Fernsehern zu günstigen Preisen den Markt aufrollen. Richtige Druckköpfe wie beim Farbdrucker werden die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau auf hundertstel Millimeter genau in vorbereitete Gitterraster spritzen. Wenn die Farbtropfen getrocknet sind und sich mit der Elektronik verbunden haben, wird noch eine Glasplatte zum Schutz aufmontiert.Das größte Problem, räumt Ramon Ollé, CEO and Chairman of Epson Europe, ein, ist die Lebensdauer der blauen Farbpigmente. Sie verbleichen nach sechs Monaten. Aber das muss und wird bis 2007 gelöst sein, gibt sich Ollé kämpferisch.
Der Reiz des Epson-Ansatzes: Es werden keine teuren Reinräume mehr benötigt, um die Farbtinte in die Gitterraster zu spritzen. Die Geräte können theoretisch extrem preisgünstig und individuell nach Maß gefertigt werden.
OLEDs werden aber nicht nur für die nachfolge von LCD und Plasma geeignet sein. Es werden viele neue neuartige Produkte realisierbar sein.
[handelsblatt.com]