Kommt das Apple OLED-iPhone?

Wird Apple den bisherigen Standard für das Display des iPhones ändern und auf OLED-Technik umschwenken? Nach Expertenmeinungen und Branchenkennern sprechen einige Indizien dafür, dass die bislang im iPhone verbaute IPS-Technik vielleicht noch nicht beim nächsten Smartphone, aber doch in absehbarer Zeit ersetzt wird. Stattdessen wird Apple auf AMOLED setzen, um die Käuferschicht bei Laune zu halten.

Abkehr von LCD – aber warum?
Tim Cook selbst nannte die Farbdarstellung von OLED-Displays „unnatürlich“ und damit nicht für die eigenen Produkte geeignet. Da Konzernchefs ihre Meinung aber stets nach der eigenen Produktpalette ausrichten, wundert es nicht, dass Apple jetzt angeblich erwägt, das iPhone mit genau solch einem Bildschirm auszustatten. Profitieren soll das Smartphone unter anderem durch folgende Aspekte:

-OLED- oder AMOLED-Bildschirme können selbstständig leuchten. Ein Pixel wird mit Strom gefüttert und es beginnt selbstständig, Licht auszustrahlen. Dadurch können sich die Handyhersteller die Hintergrundbeleuchtung für das Smartphone sparen. Samsung setzt diese Technik beispielsweise bei einigen Galaxy S-Modellen ein.

-Der Verzicht auf die Hintergrundbeleuchtung macht für Apple beispielsweise ein wirklich schwarzes Schwarz möglich, außerdem wird der Stromverbrauch gesenkt. Dazu kommt ein niedrigeres Gewicht, da OLED-Geräte, wie bereits erwähnt, komplett auf die Beleuchtung verzichten können.

-AMOLED-Geräte können flexibel gebaut werden, das Biegen des Bildschirms ist kein technisches Problem mehr. Theoretisch könnte Apple das iPhone also ein wenig abrunden, wie es das Galaxy S6 edge von Samsung bereits vormacht.

Anwendungsfälle heute gibt es in zahlreicher Ausführung: Smartwatches, Fernseher, einige Smartphones, Digitalkameras und vergleichbare Bildschirme werden von dieser Technik angetrieben. Auch biegsame, sehr flache Bildschirme werden auf Technikmessen immer wieder gerne gezeigt.

Die Vorteile von OLED für ein Smartphone sind also überdeutlich, während die Nachteile langsam nicht mehr relevant sind. So waren AMOLED-Displays im Anfangsstadium einer geringen Lebensdauer ausgesetzt, inzwischen wurde dieses Problem jedoch behoben. Es spricht also nichts gegen den Einsatz in einem kommenden iPhone.

Die Hinweise verdichten sich
Der bekannten Wirtschaftszeitschrift Nikkei zufolge befindet sich Apple in Gesprächen mit LG, seines Zeichens einer der wichtigsten Hersteller von OLED-Displays überhaupt. Bis 2018 will das Unternehmen genügend Fertigungskapazitäten aufbringen können (oder neue Fabriken bauen lassen), um den wahrscheinlich kaum stillbaren Hunger von Apple befriedigen zu können – was auch bedeutet, dass wir ein neues iPhone mit AMOLED-Technik nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre sehen werden. Gehen wir weiterhin von jährlichen Neuveröffentlichungen aus, würde Apple also frühestens ein theoretisches iPhone 8 (nach iPhone 7 und 7S) mit der Bildschirmtechnik ausstatten.

Warum es nicht schneller geht
Bislang hat der Smartphone-Hersteller kaum Erfahrung mit AMOLED-Displays. Ausnahmslos alle Geräte – vom MacBook über das iPad bis zum iPhone – setzen auf LDC-Bildschirme mit einem IPS-Panel. OLED-Technik kommt derzeit nur in der Watch zum Einsatz. Diese jedoch ist verhältnismäßig klein und bietet eine deutlich geringere Auflösung als die Werte, die für ein komplettes Smartphone notwendig sind. Einfach ausgedrückt, fehlt es Apple also schlichtweg an Erfahrung: Der Umstieg auf AMOLED & Co. lässt sich nicht innerhalb weniger Monate durchziehen.

Weiterhin dürfte Apple nach dem halben Debakel mit den Saphirglaslieferungen für die Watch vorsichtig geworden sein. Gerade beim Vorzeigeprodukt iPhone dürfen keine Lieferengpässe (über das gewöhnliche Maß hinaus) passieren. Der Hersteller wird sich also Zeit nehmen und das Gerät erst dann mit der neuen Displaytechnik auf den Markt bringen, wenn es die Technologie auch erlaubt. Für den Notfall plant das Unternehmen angeblich, dann einfach zweigleisig zu fahren:

– Denkbar wäre ein Smartphone, das sowohl in einer Ausführung mit LCD- als auch OLED-Bildschirm erhältlich ist. Möglich ist eine Veröffentlichung eines Topmodells mit AMOLED-Technik und kleineren Ausführungen mit der bewährten LCD-Technik.

Partnerschaft mit Samsung?
Die Wirtschaftswelt bringt mitunter wundersame Partnerschaften zutage: Da Samsung bislang der einzige Smartphone-Hersteller ist, der große Mengen an AMOLED-Displays zuverlässig herstellen kann, wäre es ohne das südkoreanische Unternehmen kaum möglich, Bildschirme für ein neues iPhone zu fertigen. Sollten sich die Gerüchte also bewahrheiten, müsste Apple mit dem „Erzfeind“ aus Südkorea zusammenarbeiten. LG alleine hat sich derzeit auf die Entwicklung dieser Technik für Fernsehbildschirme spezialisiert, was noch einmal ein großer technologischer Unterschied zu Handy-Displays ist.

Das OLED-iPhone kommt
So viel ist sicher, denn die AMOLED-Technik hat einfach zu viele Vorteile. Die Frage ist daher nicht „ob“, sondern „wann“. Gehen wir von einer Massenproduktion aus, die im Jahr 2018 erst anläuft, wäre mit einer Verfügbarkeit des iPhones mit OLED sogar erst 2019 (und damit in einem potenziellen iPhone 8S) zu rechnen.
Quelle

About Erich Strasser

OLED Experte Erich Strasser beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit Organic light emitting diodes

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